Was zählst Du als Erfolg?

Bist du erfolgreich? - Ein Blog zum ständigen Vergleich mit anderen.


Ein Coachee (jemand der gecoacht wird) sagte mir bei der Auflistung seiner Ziele, dass er gerne einmal ein richtiger "Boss" werden will. Mit Selbstbewusstem Auftreten und einer strahlenden Aura um ihn herum. Sofort darauf habe ich eine Gegenfrage gestellt:


"Wer bestimmt, ob du ein Boss bist oder nicht? Wer bestimmt, ob du als erfolgreich giltst oder nicht?" - Tatsächlich wusste er anfangs keine Antwort darauf....


Wer bestimmt also eigentlich, ob du erfolgreich bist?

Schlussendlich nur du selbst. Denn keine Leistungsbewertung, kein Notendurchschnitt und auch keine Person kann dich als Mensch bewerten. Die meisten kennen deine volle Geschichte nicht und selbst wenn, es gibt keinen Extra-Punkt für: "Hatte es schwierig im Leben" - das ist die Realität. Schlussendlich sind es Vergleiche, die uns erfolgreich machen. Sie war die schnellste (im Vergleich zu anderen) / Er war die beste Wahl (im Vergleich zu anderen) / Sie hatte die beste Note (im Vergleich zur Klasse) / und so weiter... Im Vergleich zu anderen sind viele individuelle Faktoren aber "egal" (!). Sie war schneller im Rennen, weil die Gegnerin noch Schmerzen vom Training hatte, er war vielleicht nur die beste Wahl, weil der Konkurrent einen schlechten Tag hatte, usw...

Ich bin aber stark der Meinung, dass diese Dinge von außen sicher als Erfolg gelten. Aber kann man solche "Ranglisten" auch für die eigene Messung des Erfolges brauchen?

Du wirst es bereits merken...wohl eher nicht.


Wo du aber Vergleiche ziehen kannst, ist mit dir selbst. Stell dir vor, du und dein "Ich vor zwei Monaten" steht euch gegenüber. Was habt ihr euch zu sagen? Hast du das Projekt gestartet, dass du wolltest? Hast du die Prüfung bestanden, für die du gelernt hast?

Nun wirst du eine Differenz finden und dich hinterfragen: "Habe ich mich zu einer besseren Version von mir selbst entwickelt oder stecke ich geistig (oder je nach dem sogar körperlich) noch dort, wo ich vor zwei Monaten war?


Denk daran: Es gibt einen großen Unterschied zwischen ehrlich sein mit sich selbst und sich schlecht zu reden! Sei also verständnisvoll, respektvoll und auch klar mit dir selbst. Es ist okay auch mal etwas vergessen zu haben oder zu verhauen. Sich selbst aber ständig vorzulügen, es hat nicht geklappt wegen "diesem und jenem" Grund, wird dich nirgends hinbringen.


Der Vergleich mit dir selbst ist der einzige faire Vergleich, den es gibt.


Eine kurze Geschichte aus der Schulzeit:

Die 6er-Schülerin in unserer Klasse hatte eine 4.5 geschrieben. Sie war mental ziemlich angeschlagen und sogar etwas traurig. Doch mein Sitznachbar, mit einer 3.9, war von Freude überwältigt. Er schaute mich an und sagte: "Wenn ich eine 4.5 geschrieben hätte, dann wäre ich auf dem Tisch am tanzen!!" und lachte.

(Randbemerkung: Ist französisch nicht ein tolles Fach, voller Emotionen? :) )

Jedenfalls ist hier genau das geschehen, was oben in der Theorie beschrieben wurde. Es ist der Kontrast zu sich selbst. Mein Sitznachbar war viel schlechtere Noten gewohnt und hatte das nicht erwartet. Die 6er-Schülerin hingegen, wollte ihren Notendurchschnitt oben halten und war auch sonst meistens über einer fünf. Dementsprechend war seine Freude viel grösser, obwohl die Note im Gesamtvergleich schlechter war.


Dieses Beispiel sollte leicht aufzeigen, dass sich der Vergleich mit anderen meistens nicht wirklich lohnt oder keinen Sinn macht, solange man mit der eigenen Leistung zufrieden ist.


Und ja, du hast recht, mit einer 3.0 zufrieden zu sein und mit einer 3.0 zu bestehen sind zwei verschiedene paar Schuhe. Deshalb: auch wenn du etwas hart erarbeitest, muss es nicht heißen, dass es für die "Welt" genug ist. Dies führt nun also zur Mischung zwischen der Realität und dem Vergleich mit sich selbst:


Fazit

Der Vergleich mit anderen ist ein Reality-Check (Bsp. Auswahlverfahren, Prüfungen), während der Vergleich mit dir selbst wirklich fair ist.

Es braucht eine Mischung: Sei dir bewusst, wo du mit deinen Leistungen stehst aber vergiss auch nie, wo du mal gewesen bist und wie weit du nun gekommen bist.


Zurückkommend auf den Coachee vom Anfang:

Ich habe ihm das (unter anderem) als Tipp mitgegeben: "Nur du bestimmst, ob du ein Boss bist oder nicht. Du selbst erschaffst die Aura um dich herum. Vergiss nie, wo du