Meine Story - Blog 1 Sport

Körper gegen Geist


"Die Luft reicht nicht!", schrien meine Lungen. "Nur noch eine Runde, nur noch eine Runde, nur noch eine Runde", wiederholte ich in meinem Kopf während ich verzweifelt versuchte meine Führungsposition zu halten. Jemand aus dem Publikum warnte mich: "Ricci, hinter dir!!". Keuchend beobachtete ich im Blickfeld wie ein Mitsportler mich in der Kurve am überholen war. Überholen war schon schwer genug und jetzt auch noch in der Kurve?! Ich hatte noch nicht mal Zeit mich aufzuregen, als mich ein zweiter Athlet überholte. Mit letzter Kraft versuchte ich so gut wie möglich über die Ziellinie zu kommen. Dritter Platz. Verdammt.


Es war ein kühler Nachmittag im Sommer, ich befand mich auf einer Leichtathletik-Rund-bahn an den Regionen-Meisterschaften der Zentralschweiz. Es war ein 1000-Meter Lauf den ich nie vergessen werde. Sport bringt immer seine Emotionen mit sich - es geht fast nicht anders. Doch dieses Mal waren es viel mehr als sonst. Nach Jahren von Training war ich endlich so weit und stellte mich dieser Herausforderung. Mein Coach meinte sogar, dass ich dem Publikum nach ein Favorit unter den Läufern sei. Mit voll-getanktem Selbstbewusstsein (Ego) ging ich also an den Start. Es ist immer das Gleiche wenn man an den Start geht:

Der Druck in mir stieg, mein Herz pumpte das Blut mit enormer Wucht in meine Beinmuskeln, ein seltsames Kribbeln macht sich in der Magenregion breit und der Atem verengte sich. "Auf die Plätze!" - mein rechter Fuss lag nun genau auf der Startlinie - "Fertig!" - Die Muskeln strammten sich, mein Blick nach unten - EIN SCHUSS. "HopHopHopHop!!", die wohl bekanntesten Schreie im Sport füllten die Publikumsreihen. Meine Nervosität hatte sich in Energie umgewandelt, meine Beinmuskeln, die Gelenke und Arme bildeten ein Zusammenspiel, dass mich nach nur wenigen Sekunden an die Spitze der 8 Athleten brachte. Kurz darauf kam auch die Meldung aus dem Kommentator-Häusschen: "Riccardo Vona vom SATUS Oberentfelden übernimmt die Führung!" Das erste Mal, dass ich überhaupt nach vorne kam und das erste Mal, dass mein Name durch die Lautsprecher schallte. Mein Ego hat die Sterne erreicht und die Überheblichkeit in mir stieg. Wieso nur gewinnen? Euch mache ich fertig! Immer schneller stellte sich ein Fuss vor den nächsten. Wieso auch die Kräfte einteilen, oder!? Zuerst 100, dann waren es schnell 200, 300 und auch 400 Meter, die ich hinter mich ließ. Ich spürte förmlich, wie meine Grenze der Anstrengung bereits überschritten war. Und so kam es dann wie oben beschrieben. Zuerst ein Athlet, dann der nächste überholte mich. Voller Verzweiflung versuchte ich die letzten 200 Meter noch etwas zu gewinnen, doch es blieb beim dritten Platz.

Manchmal haben wir ein Highlight erreicht. Manchmal fühlen wir uns wie Könige/Königinnen und wollen immer mehr. Manchmal reicht das Tempo das man hat, ohne dass man noch mehr geben muss. In den meisten Fällen ist die Arbeit wie ein Marathon, doch wenn wir uns gut fühlen wollen wir immer so schnell es geht nach vorne kommen. Umso mehr schmerzt es uns dann zu realisieren, dass man sich zu viel aufgehalst hat.

In Momenten der Euphorie ist Selbstkontrolle gefragt.

Beherrsche deine Emotionen und bring dich selbst ans Ziel, ohne dich zu überarbeiten.

- viel Erfolg.


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